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"Was für ein Mensch war Edgar?“
...
....werde ich manchmal gefragt.
Aus meiner Sicht möchte ich ein Bild von ihm zeichnen, das
ihn im Wesentlichen charakterisiert:
Edgar war eine starke ,
außergewöhnliche und interessante Persönlichkeit - ein Unikat! Sein
Sternzeichen Löwe kam in vielerlei Hinsicht zur Geltung. Mit
beeindruckender, rhetorischer Fähigkeit teilte er
seine Gedanken und Meinungen sehr gerne mit, denn die Kommunikation
gehörte für ihn zu den wichtigsten Elementen des Ausdrucks seiner
Selbst. Seine Standpunkte vertrat er stets selbstsicher, geradlinig ,
offen und unverblümt. Niemals redete er anderen nach dem Mund und er
schätze auch immer Personen, die - so wie er- ehrlich ihre Meinung
vertreten konnten und sich nicht beirren ließen, z.B. durch Aussagen
anderer . Mit Menschen, die, wie er sich ausdrückte, eine ausgeprägte
"Osterhäschen-Demutsstellung" einnahmen oder sich gar drehten wie
ein Fähnchen im Wind, konnte er nicht viel anfangen.
In seiner unverwechselbaren Art sorgte
er in seinem Umfeld so manches mal für Zündstoff. Teilweise gab
er dabei bewusst Denkanstöße oder forderte Reaktionen heraus, über die
er gelegentlich innerlich schmunzelte. Wenn Edgar sich zu sehr
ereiferte und über das Ziel hinausschoss, machte er sich nicht bei
Jedem beliebt, doch das war auch nie das, wonach er trachtete. Er
wollte gehört werden und Aufmerksamkeit bekommen, verachtete jedoch
Heuchelei.
Dass in dem stolzen Löwen mit dem klugen
Kopf im Herzen zugleich ein sehr sensibles, gefühlvolles und
verletzliches Kätzchen steckte, erkannten wohl alle, die ihn mochten
und liebten und denen er sein Innerstes zu zeigen bereit war. Dieses
innere Verständnis für seine Seele teilten vor allem ich, Susanne,
sowie seine besten Freunde, die ihm ebenfalls besonders am Herzen
lagen. Seine Zuneigung und innige Freundschaft drückte er aus, indem
er den Kontakt und das Zusammensein herzlich und intensiv aufrecht
erhielt, auch in Form von vielen ausführlichen Briefen bzw. Emails und
seinen Fotos. Edgar war ein zuverlässiger, hilfsbereiter Freund und
Partner, der bei Bedarf für den anderen durchs Feuer gegangen wäre,
um sich für ihn einzusetzen. Gerne stand er mit Rat und Tat zur
Seite.
Mit seinem trockenen Humor oder seinen
verrückten, unkonventionellen Ideen konnte er andere zum Lachen
bringen. Es war einfach liebenswert, wenn er sich z.B. für einen Tag
im Jahr, mitten im Sommer, als Clown verkleidete, die Menschen auf
der Straße ansprach und sich an deren Reaktionen
erfreute. Seine Zerstreutheit, Dinge wie seine Schlüssel usw. sehr oft
zu verlieren oder zu verlegen war ebenfalls ein Eigenart, die zum
schmunzeln brachte.
Edgar war ein sehr romantischer Mensch.
Er verfasste gefühlvolle Gedichte, spielte gerne mit
Worten, formulierte Songtexte, schrieb mutmachende Postkarten an sich
selbst und glaubte auch an Dinge, die man nicht sehen konnte, wie z.B.
an seinen Kraftort in Montreux oder das Weiterleben der Seele nach dem
Tod. "Nichts ist, wie es scheint", sagte er manchmal.
Es gab Dinge, über die er sich freuen
konnte wie ein Kind. Er liebte Züge und Bahnhöfe schon von
Kindesbeinen an und es war schön zu sehen, wenn er auch als
erwachsener Mann leuchtende Augen bekam.
Der Natur fühlte sich Edgar sehr
verbunden. Seine intensiven, sportlichen Aktivitäten, denen er mit
Disziplin auch bei Wind und Wetter nachging, genoss er deshalb in
erster Linie im Freien. Er achtete nicht nur auf sein eigenes,
umweltbewusstes Verhalten, sondern machte auch häufiger andere
Menschen darauf aufmerksam, z.B. den Motor eines Fahrzeugs
auszuschalten, wenn es seiner Meinung nach angebracht war.
Dass nicht alle Menschen der Welt sein
Selbstverständnis teilten, was vor allem die Gerechtigkeit und
den Frieden auf der Welt betraf, erregte ihn oft. Hier lud er sich
sehr viel Verantwortung auf, denn er hatte oft das Gefühl, nicht nur
für die eigene Gerechtigkeit, sondern auch für die anderer Menschen
kämpfen zu müssen, um eine Verbesserung zu erreichen. Für lange
Zeit engagierte er sich mit sehr viel Zivilcourage in der Gewerkschaft
und im Betriebsrat. Auch um seinen eigenen Arbeitsplatz musste er über
Jahre kämpfen und zeigte dabei eine bewundernswerte Ausdauer und Biss.
Da es ihn gleichzeitig auch belastete, hat er sich oft mehr
Gelassenheit gewünscht, doch der Charakter des Löwen in ihm
beeinflusste ihn stark. Vielleicht mochte er die Kühe auf der Weide
deshalb so gerne, weil sie eine so starke Ausgeglichenheit und Ruhe
ausstrahlen?
Genauso fand er jedoch auch sanfte
Formen, sich für andere einzusetzen, wenn er z.B.
Benefiz-Veranstaltungen aktiv unterstützte. Er war stolz auf seine
künstlerischen Fähigkeiten und spendete mit Freude und viel Engagement
eines seiner Gemälde zu Gunsten eines krebskranken Kindes. Die
abstrakte Malerei bedeutete ihm nicht nur viel, sie war für Edgar auch
eine sehr wichtige Form des kreativen Ausdrucks und der
Entspannung, sowie des Loslassens von allen Belastungen, die ihn
beschäftigten. Durch seine Kontakte, den intensiven Austausch mit
anderen Künstlern und das Mitwirken bei kooperativen Projekten fühlte
er sich bereichert, denn er setzte sich nicht nur produktiv, sondern
auch geistig gerne mit dem Thema auseinander, übte Kritik, ließ sich
inspirieren und inspirierte andere.
In seinem Satz "The soul is the mother
of painters" spiegelte sich seine Liebe und Begeisterung zur Musik
wieder. Er hörte sie selten einfach nur "nebenbei", sondern widmete
sich am liebsten mit seinem ganzen Körper völlig dem Genuss des
Zuhörens. Die Sesselkante hat es ihm nie übel genommen, wenn er
während dessen seinen Schellenkranz auf sie trommelte. Es gab Zeiten,
in denen er mit seiner ausdrucksvollen Stimme oder seiner Bluesharp
allein oder in einer Band mitspielte. Er war immer mit vollem Herzblut
dabei und teilte diese Begeisterung auch gerne mit seinen Freunden.
Edgar wertete Menschen nicht
nach gesellschaftlichem Stand, Nationalität, Hautfarbe, Kleidung oder
Ähnlichem. Dass der Charakter und die Wellenlänge zu ihm passten, war
für ihn das Wichtigste.
Warum Edgar es - besonders gegenüber
nahestehenden Menschen - mit der Wahrheit nicht
immer so genau nahm, lag vielleicht an seinem Bedürfnis nach Zuwendung
und Anerkennung. Einerseits brauchte und suchte er Liebe und ein
Zuhause, andererseits fühlt er sich wohl zu schnell in einen Käfig
gesteckt. Er war ein Mann mit Ecken und Kanten und mit dem es nicht
immer einfach war, aber das Besondere und Außergewöhnliche an ihm,
seine Ausstrahlung machten es wieder wett. Wer ihn so nehmen konnte
wie er war, konnte nicht anders als ihn gern zu haben!
Edgar war überzeugter Vegetarier,
achtete und liebte das Leben, hat unvergessliche und liebenswerte
Fußstapfen auf seinem Weg hinterlassen, war bemüht seine Gesundheit zu
erhalten und wäre gerne 120 Jahre alt geworden. Das Schicksal hatte
jedoch etwas Anderes mit ihm vor, das wir nicht ergründen können, weil
uns der Blick hinter diese Tür noch verborgen ist. Vielleicht ist er
gerade dabei, sich mit den Fingern seiner linken Hand seine Schuhe rot
anzumalen, uns zuzuzwinkern und uns zu sagen: "Hey, macht euch keine
Sorgen, ihr wisst doch, dass ich nicht nur ein Indianer sondern auch
ein Außerirdischer bin. Love and peace, keep up the good work, Blues
und Gruß, Euer Lositheed".
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P.S.
Zu Beginn schrieb ich, dass ich
mit meinen Worten ein Bild von Edgar zeichnen möchte. Inzwischen ist
mir eingefallen: Vor vielen Jahren hatte ich eine kurze Phase, in der
ich mit Pastellölkreide oder Bleistift ein paar Zeichnungen
anfertigte. Eines der Motive war damals eine Portrait-Zeichnung von
Edgar. Ich hatte sie nie fertig gestellt, denn ich wollte sie
„irgendwann später“ noch verbessern. Doch nun lasse ich das Bild so
wie es ist, denn die Endlichkeit von ZEIT wurde mir mit Edgars Tod
wieder sehr schmerzlich bewusst.

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